Titel:

Emilia Galotti

Startseite
english
  
ISBN: B000XHESUS   ISBN: B000XHESUS   ISBN: B000XHESUS   ISBN: B000XHESUS 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

Siebenter Auftritt Graf Appiani. Die Vorigen. Appiani: (tritt  tiefsinnig,  mit  vor  sich  hin  geschlagenen  Augen  herein  und  kömmt näher,  ohne  sie  zu  erblicken;  bis  Emilia  ihm  entgegenspringt)  Ah,  meine Teuerste! - Ich war mir Sie in dem Vorzimmer nicht vermutend. Emilia: Ich wünschte Sie heiter, Herr Graf, auch wo Sie mich nicht vermuten. - So feierlich? so ernsthaft? - Ist dieser Tag keiner freudigern Aufwallung wert? Appiani: Er  ist  mehr  wert  als  mein  ganzes  Leben.  Aber  schwanger  mit  so  viel Glückseligkeit für mich - mag es wohl diese Glückseligkeit selbst sein, die mich  so  ernst,  die  mich,  wie  Sie  es  nennen,  mein  Fräulein,  so  feierlich macht. - (Indem er die Mutter erblickt.) Ha! auch Sie hier, meine gnädige Frau! - nun bald mir mit einem innigern Namen zu verehrende! Claudia: Der mein größter Stolz sein wird! - Wie glücklich bist du, meine Emilia! - Warum hat dein Vater unsere Entzückung nicht teilen wollen? Appiani: Eben habe ich mich aus seinen Armen gerissen: - oder vielmehr, er sich aus meinen.  -  Welch  ein  Mann,  meine  Emilia,  Ihr  Vater!  Das  Muster  aller männlichen  Tugend!  Zu  was  für  Gesinnungen  erhebt  sich  meine  Seele  in seiner Gegenwart! Nie ist mein Entschluß, immer gut, immer edel zu sein, lebendiger,  als  wenn  ich  ihn  sehe  -  wenn  ich  ihn  mir  denke.  Und  womit sonst  als  mit  der  Erfüllung  dieses  Entschlusses  kann  ich  mich  der  Ehre würdig machen, sein Sohn zu heißen - der Ihrige zu sein, meine Emilia? Emilia: Und er wollte mich nicht erwarten! Appiani: Ich  urteile,  weil  ihn  seine  Emilia,  für  diesen  augenblicklichen  Besuch,  zu sehr erschüttert, zu sehr sich seiner ganzen Seele bemächtiget hätte. Claudia: Er glaubte dich mit deinem Brautschmucke beschäftiget zu finden und hörte - Appiani: Was ich mit der zärtlichsten Bewunderung wieder von ihm gehört habe. - So recht, meine Emilia! Ich werde eine fromme Frau an Ihnen haben, und die nicht stolz auf ihre Frömmigkeit ist. Claudia: Aber, meine Kinder, eines tun und das andere nicht lassen! - Nun ist es hohe Zeit; nun mach, Emilia! Appiani: Was? meine gnädige Frau. Claudia: Sie  wollen  sie  doch  nicht  so,  Herr  Graf  -  so  wie  sie  da  ist,  zum  Altare führen? Appiani: Wahrlich, das werd ich nun erst gewahr. - Wer kann Sie sehen, Emilia, und auch auf Ihren Putz achten? - Und warum nicht so, so wie sie da ist? Emilia: Nein,  mein  lieber  Graf,  nicht  so;  nicht  ganz  so.  Aber  auch  nicht  viel prächtiger, nicht viel. - Husch, husch, und ich bin fertig! - Nichts, gar nichts von  dem  Geschmeide,  dem  letzten  Geschenke  Ihrer  verschwenderischen Großmut! Nichts, gar nichts, was sich nur zu solchem Geschmeide schickte! - Ich könnte ihm gram sein, diesem Geschmeide, wenn es nicht von Ihnen wäre. Denn dreimal hat mir von ihm geträumt - Claudia: Nun! davon weiß ich ja nichts. Emilia: Als ob ich es trüge, und als ob plötzlich sich jeder Stein desselben in eine Perle verwandele. - Perlen aber, meine Mutter, Perlen bedeuten Tränen. Claudia: Kind! - Die Bedeutung ist träumerischer als der Traum. - Warest du nicht von jeher eine größere Liebhaberin von Perlen als von Steinen? - 17
  
Emilia Galotti / Gotthold Ephraim Lessing
von Susanne Almassy,
Marianne Nentwich,
Fritz Kortner
Siehe auch:
Emilia Galotti
Zwei aus Verona / William Shakespeare
Emilia Galotti
Emilia Galotti
Höllenangst / Johann Nestroy
Kabale und Liebe
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Geschichten/Erzaehlungen
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/L
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/L/Lessing

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum