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Der Prinz:
Dort kömmt sie die Allee herauf. Sie eilet vor dem Bedienten her. Die
Furcht, wie es scheinet, beflügelt ihre Füße. Sie muß noch nichts
argwöhnen. Sie glaubt sich nur vor Räubern zu retten. - Aber wie lange
kann das dauren?
Marinelli:
So haben wir sie doch fürs erste.
Der Prinz:
Und wird die Mutter sie nicht aufsuchen? Wird der Graf ihr nicht
nachkommen? Was sind wir alsdenn weiter? Wie kann ich sie ihnen
vorenthalten?
Marinelli:
Auf das alles weiß ich freilich noch nichts zu antworten. Aber wir müssen
sehen. Gedulden Sie sich, gnädiger Herr. Der erste Schritt mußte doch getan
sein. -
Der Prinz:
Wozu? wenn wir ihn zurücktun müssen.
Marinelli:
Vielleicht müssen wir nicht. - Da sind tausend Dinge, auf die sich weiter
fußen läßt. - Und vergessen Sie denn das Vornehmste?
Der Prinz:
Wie kann ich vergessen, woran ich sicher noch nicht gedacht habe? - Das
Vornehmste? was ist das?
Marinelli:
Die Kunst zu gefallen, zu überreden - die einem Prinzen, welcher liebt, nie
fehlet.
Der Prinz:
Nie fehlet? Außer, wo er sie gerade am nötigsten brauchte. - Ich habe von
dieser Kunst schon heut einen zu schlechten Versuch gemacht. Mit allen
Schmeicheleien und Beteuerungen konnt' ich ihr auch nicht ein Wort
auspressen. Stumm und niedergeschlagen und zitternd stand sie da; wie eine
Verbrecherin, die ihr Todesurteil höret. Ihre Angst steckte mich an, ich
zitterte mit und schloß mit einer Bitte um Vergebung. Kaum getrau ich mir,
sie wieder anzureden. - Bei ihrem Eintritte wenigstens wag ich es nicht zu
sein. Sie, Marinelli, müssen sie empfangen. Ich will hier in der Nähe hören,
wie es abläuft; und kommen, wenn ich mich mehr gesammelt habe.
Vierter Auftritt
Marinelli, und bald darauf dessen Bedienter Battista mit Emilien.
Marinelli:
Wenn sie ihn nicht selbst stürzen gesehen - Und das muß sie wohl nicht; da
sie so fortgeeilet - Sie kömmt. Auch ich will nicht das erste sein, was ihr
hier in die Augen fällt. (Er zieht sich in einen Winkel des Saales zurück.)
Battista:
Nur hier herein, gnädiges Fräulein!
Emilia:
(außer Atem) Ah! - Ah! - Ich danke Ihm, mein Freund - ich dank Ihm. -
Aber Gott, Gott! wo bin ich? - Und so ganz allein? Wo bleibt meine Mutter?
Wo blieb der Graf? - Sie kommen doch nach? mir auf dem Fuße nach?
Battista:
Ich vermute.
Emilia:
Er vermutet? Er weiß es nicht? Er sah sie nicht? - Ward nicht gar hinter uns
geschossen? -
Battista:
Geschossen? - Das wäre! -
Emilia:
Ganz gewiß! Und das hat den Grafen oder meine Mutter getroffen. -
Battista:
Ich will gleich nach ihnen ausgehen.
Emilia:
Nicht ohne mich. - Ich will mit; ich muß mit: komm' Er, mein Freund!
Marinelli:
(der plötzlich herzutritt, als ob er eben hereinkäme) Ah, gnädiges Fräulein!
Was für ein Unglück, oder vielmehr, was für ein Glück - was für ein
glückliches Unglück verschafft uns die Ehre -
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