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obschon mit einem Tone gesprochen - mit einem Tone! - Ich höre ihn noch!
Wo waren meine Sinne, daß sie diesen Ton nicht sogleich verstanden?
Marinelli:
Nun, gnädige Frau? - Ich war von jeher des Grafen Freund; sein
vertrautester Freund. Also, wenn er mich noch im Sterben nannte -
Claudia:
Mit dem Tone? - Ich kann ihn nicht nachmachen; ich kann ihn nicht
beschreiben: aber er enthielt alles! alles! - Was? Räuber wären es gewesen,
die uns anfielen? - Mörder waren es; erkaufte Mörder! - Und Marinelli,
Marinelli war das letzte Wort des sterbenden Grafen! Mit einem Tone!
Marinelli:
Mit einem Tone? - Ist es erhört, auf einen Ton, in einem Augenblicke des
Schreckens vernommen, die Anklage eines rechtschaffnen Mannes zu
gründen?
Claudia:
Ha, könnt' ich ihn nur vor Gerichte stellen, diesen Ton! - Doch, weh mir!
Ich vergesse darüber meine Tochter. - Wo ist sie? - Wie? auch tot? - Was
konnte meine Tochter dafür, daß Appiani dein Feind war?
Marinelli:
Ich verzeihe der bangen Mutter. - Kommen Sie, gnädige Frau - Ihre Tochter
ist hier; in einem von den nächsten Zimmern, und hat sich hoffentlich von
ihrem Schrecken schon völlig erholt. Mit der zärtlichsten Sorgfalt ist der
Prinz selbst um sie beschäftiget -
Claudia:
Wer? - Wer selbst?
Marinelli:
Der Prinz.
Claudia:
Der Prinz? - Sagen Sie wirklich der Prinz? - Unser Prinz?
Marinelli:
Welcher sonst?
Claudia:
Nun dann! - Ich unglückselige Mutter! - Und ihr Vater! ihr Vater! - Er wird
den Tag ihrer Geburt verfluchen. Er wird mich verfluchen.
Marinelli:
Um des Himmels willen, gnädige Frau! Was fällt Ihnen nun ein?
Claudia:
Es ist klar! - Ist es nicht? - Heute im Tempel! vor den Augen der
Allerreinesten! in der nähern Gegenwart des Ewigen! - begann das
Bubenstück, da brach es aus! (Gegen den Marinelli.) Ha, Mörder! feiger,
elender Mörder! Nicht tapfer genug, mit eigner Hand zu morden, aber
nichtswürdig genug, zu Befriedigung eines fremden Kitzels zu morden! -
morden zu lassen! - Abschaum aller Mörder! - Was ehrliche Mörder sind,
werden dich unter sich nicht dulden! Dich! Dich! - Denn warum soll ich dir
nicht alle meine Galle, allen meinen Geifer mit einem einzigen Worte ins
Gesicht speien? - Dich! Dich Kuppler!
Marinelli:
Sie schwärmen, gute Frau. - Aber mäßigen Sie wenigstens Ihr wildes
Geschrei, und bedenken Sie, wo Sie sind.
Claudia:
Wo ich bin? Bedenken, wo ich bin? - Was kümmert es die Löwin, der man
die Jungen geraubt, in wessen Walde sie brüllet?
Emilia:
(innerhalb) Ha, meine Mutter! Ich höre meine Mutter!
Claudia:
Ihre Stimme? Das ist sie! Sie hat mich gehört, sie hat mich gehört. Und ich
sollte nicht schreien? - Wo bist du, mein Kind? Ich komme, ich komme!
(Sie stürzt in das Zimmer und Marinelli ihr nach.)
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