Titel:

Emilia Galotti

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Der Prinz: Ich  meine  nicht  vieles,  sondern  viel;  ein  weniges,  aber  mit  Fleiß.  -  Sie kommen doch nicht leer, Conti? Conti: Ich bringe das Porträt, welches Sie mir befohlen haben, gnädiger Herr. Und bringe noch eines, welches Sie mir nicht befohlen: aber weil es gesehen zu werden verdient - Der Prinz: Jenes ist? - Kann ich mich doch kaum erinnern - Conti: Die Gräfin Orsina. Der Prinz: Wahr! - Der Auftrag ist nur ein wenig von lange her. Conti: Unsere schönen Damen sind nicht alle Tage zum Malen. Die Gräfin hat, seit drei Monaten, gerade einmal sich entschließen können zu sitzen. Der Prinz: Wo sind die Stücke? Conti: In dem Vorzimmer, ich hole sie. Dritter Auftritt Der Prinz: Ihr Bild! - mag! - Ihr Bild, ist sie doch nicht selber. - Und vielleicht find ich in dem Bilde wieder, was ich in der Person nicht mehr erblicke. - Ich will es aber nicht wiederfinden. - Der beschwerliche Maler! Ich glaube gar, sie hat ihn bestochen. - Wär' es auch! Wenn ihr ein anderes Bild, das mit andern Farben,  auf  einen  andern  Grund  gemalet  ist  -  in  meinem  Herzen  wieder Platz machen will: - Wahrlich, ich glaube, ich wär' es zufrieden. Als ich dort liebte, war ich immer so leicht, so  fröhlich, so ausgelassen. - Nun bin ich von  allem  das  Gegenteil.  -  Doch  nein;  nein,  nein!  Behäglicher  oder  nicht behäglicher: ich bin so besser. Vierter Auftritt Der Prinz: Conti  mit  den  Gemälden,  wovon  er  das  eine  verwandt  gegen  einen  Stuhl lehnet. Conti: (indem er das andere zurechtstellet) Ich bitte, Prinz, daß Sie die Schranken unserer   Kunst   erwägen   wollen.   Vieles   von   dem   Anzüglichsten   der Schönheit liegt ganz außer den Grenzen derselben. - Treten Sie so!  - Der Prinz: (nach  einer  kurzen  Betrachtung)  Vortrefflich,  Conti  -  ganz  vortrefflich!  - Das  gilt  Ihrer  Kunst,  Ihrem  Pinsel.  -  Aber  geschmeichelt,  Conti;  ganz unendlich geschmeichelt! Conti: Das  Original  schien  dieser  Meinung  nicht  zu  sein.  Auch  ist  es  in  der  Tat nicht mehr geschmeichelt, als die Kunst schmeicheln muß. Die Kunst muß malen, wie sich die plastische Natur - wenn es eine gibt - das Bild dachte: ohne  den  Abfall,  welchen  der  widerstrebende  Stoff  unvermeidlich  macht; ohne den Verderb, mit welchem die Zeit dagegen ankämpfet. Der Prinz: Der denkende Künstler ist noch eins soviel wert. - Aber das Original, sagen Sie, fand demungeachtet - Conti: Verzeihen Sie, Prinz. Das Original ist eine Person, die meine Ehrerbietung fodert. Ich habe nichts Nachteiliges von ihr äußern wollen. Der Prinz: Soviel als Ihnen beliebt! - Und was sagte das Original? Conti: Ich bin zufrieden, sagte die Gräfin, wenn ich nicht häßlicher aussehe. Der Prinz: Nicht häßlicher? - O das wahre Original! 3
  
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