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Emilia Galotti

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Liebe  und  Entzücken  erwarteten?  -  Der  Ort  ist  es,  aber,  aber!  -  Sieh  da, Marinelli! - Recht gut, daß der Prinz Sie mitgenommen. - Nein, nicht gut! Was ich mit ihm auszumachen hätte, hätte ich nur mit ihm auszumachen. - Wo ist er? Marinelli: Der Prinz, meine gnädige Gräfin? Orsina: Wer sonst? Marinelli: Sie vermuten ihn also hier? wissen ihn hier? - Er wenigstens ist der Gräfin Orsina hier nicht vermutend. Orsina: Nicht? So hat er meinen Brief heute morgen nicht erhalten? Marinelli: Ihren  Brief?  Doch  ja,  ich  erinnere  mich,  daß  er  eines  Briefes  von  Ihnen erwähnte. Orsina: Nun? habe ich ihn nicht in diesem Briefe auf heute um eine Zusammenkunft hier  auf  Dosalo  gebeten?  -  Es  ist  wahr,  es  hat  ihm  nicht  beliebet,  mir schriftlich zu antworten. Aber ich erfuhr, daß er eine Stunde darauf wirklich nach  Dosalo  abgefahren.  Ich  glaubte,  das  sei  Antworts  genug,  und  ich komme. Marinelli: Ein sonderbarer Zufall! Orsina: Zufall? - Sie hören ja, daß es verabredet worden. So gut als verabredet. Von meiner  Seite  der  Brief,  von  seiner  die  Tat.  -  Wie  er  dasteht,  der  Herr Marchese!  Was  er  für  Augen  macht!  Wundert  sich  das  Gehirnchen?  und worüber denn? Marinelli: Sie  schienen  gestern  so  weit  entfernt,  dem  Prinzen  jemals  wieder  vor  die Augen zu kommen. Orsina: Beßrer Rat kömmt über Nacht. - Wo ist er? wo ist er? - Was gilt's, er ist in dem  Zimmer,  wo  ich  das  Gequieke,  das  Gekreische  hörte?  -  Ich  wollte herein, und der Schurke von Bedienten trat vor. Marinelli: Meine liebste, beste Gräfin - Orsina: Es war ein weibliches Gekreische. Was gilt's, Marinelli? - O sagen Sie mir doch,  sagen  Sie  mir  -  wenn  ich  anders  Ihre  liebste,  beste  Gräfin  bin  - Verdammt, über das Hofgeschmeiß! Soviel Worte, soviel Lügen! Nun, was liegt  daran,  ob  Sie  mir  es  voraussagen  oder  nicht?  Ich  werd  es  ja  wohl sehen. (Will gehen.) Marinelli: (der sie zurückhält) Wohin? Orsina: Wo ich längst sein sollte. - Denken Sie, daß es schicklich ist, mit Ihnen hier in  dem  Vorgemache  einen  elenden  Schnickschnack  zu  halten,  indes  der Prinz in dem Gemache auf mich wartet? Marinelli: Sie irren sich, gnädige Gräfin. Der Prinz erwartet Sie nicht. Der Prinz kann Sie hier nicht sprechen - will Sie nicht sprechen. Orsina: Und wäre doch hier? und wäre doch auf meinen Brief hier? Marinelli: Nicht auf Ihren Brief - Orsina: Den er ja erhalten, sagen Sie - Marinelli: Erhalten, aber nicht gelesen. Orsina: (heftig) Nicht gelesen? - (Minder heftig.) Nicht gelesen? - (Wehmütig und eine Träne aus dem Auge wischend.) Nicht einmal gelesen? Marinelli: Aus Zerstreuung, weiß ich - Nicht aus Verachtung. Orsina: (stolz) Verachtung? - Wer denkt daran? - Wem brauchen Sie das zu sagen? - Sie  sind  ein  unverschämter  Tröster,  Marinelli!  -  Verachtung!  Verachtung! Mich verachtet man auch! mich! - (Gelinder, bis zum Tone der Schwermut.) Freilich liebt er mich nicht mehr. Das ist ausgemacht. Und an die Stelle der Liebe trat in seiner Seele etwas anders. Das ist natürlich. Aber warum denn eben  Verachtung?  Es  braucht  ja  nur  Gleichgültigkeit  zu  sein.  Nicht  wahr, Marinelli? 33
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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