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Marinelli:
Allerdings, allerdings.
Orsina:
(höhnisch) Allerdings? - O des weisen Mannes, den man sagen lassen kann,
was man will! - Gleichgültigkeit! Gleichgültigkeit an die Stelle der Liebe? -
Das heißt, nichts an die Stelle von etwas. Denn lernen Sie, nachplauderndes
Hofmännchen, lernen Sie von einem Weibe, daß Gleichgültigkeit ein leeres
Wort, ein bloßer Schall ist, dem nichts, gar nichts entspricht. Gleichgültig
ist die Seele nur gegen das, woran sie nicht denkt; nur gegen ein Ding, das
für sie kein Ding ist. Und nur gleichgültig für ein Ding, das kein Ding ist -
das ist soviel als gar nicht gleichgültig. - Ist dir das zu hoch, Men sch?
Marinelli:
(vor sich) O weh! wie wahr ist es, was ich fürchtete!
Orsina:
Was murmeln Sie da?
Marinelli:
Lauter Bewunderung! - Und wem ist es nicht bekannt, gnädige Gräfin, daß
Sie eine Philosophin sind?
Orsina:
Nicht wahr? - Ja, ja, ich bin eine. - Aber habe ich mir es itzt merken lassen,
daß ich eine bin? - O pfui, wenn ich mir es habe merken lassen, und wenn
ich mir es öfterer habe merken lassen! Ist es wohl noch Wunder, daß mich
der Prinz verachtet? Wie kann ein Mann ein Ding lieben, das, ihm zum
Trotze, auch denken will? Ein Frauenzimmer, das denkt, ist ebenso ekel als
ein Mann, der sich schminket. Lachen soll es, nichts als lachen, um
immerdar den gestrengen Herrn der Schöpfung bei guter Laune zu erhalten.
- Nun, worüber lach ich denn gleich, Marinelli? - Ach, jawohl! Über den
Zufall! daß ich dem Prinzen schreibe, er soll nach Dosalo kommen; daß der
Prinz meinen Brief nicht lieset und daß er doch nach Dosalo kömmt. Ha!
ha! ha! Wahrlich ein sonderbarer Zufall! Sehr lustig, sehr närrisch! - Und
Sie lachen nicht mit, Marinelli? - Mitlachen kann ja wohl der gestrenge Herr
der Schöpfung, ob wir arme Geschöpfe gleich nicht mitdenken dürfen. -
(Ernsthaft und befehlend.) So lachen Sie doch!
Marinelli:
Gleich, gnädige Gräfin, gleich!
Orsina:
Stock! Und darüber geht der Augenblick vorbei. Nein, nein, lachen Sie nur
nicht. - Denn sehen Sie, Marinelli, (nachdenkend bis zur Rührung) was
mich so herzlich zu lachen macht, das hat auch seine ernsthafte - sehr
ernsthafte Seite. Wie alles in der Welt! - Zufall? Ein Zufall wär' es, daß der
Prinz nicht daran gedacht, mich hier zu sprechen, und mich doch hier
sprechen muß? Ein Zufall? - Glauben Sie mir, Marinelli: das Wort Zufall ist
Gotteslästerung. Nichts unter der Sonne ist Zufall - am wenigsten das,
wovon die Absicht so klar in die Augen leuchtet. - Allmächtige, allgütige
Vorsicht, vergib mir, daß ich mit diesem albernen Sünder einen Zufall
genennet habe, was so offenbar dein Werk, wohl gar dein unmittelbares
Werk ist! - (Hastig gegen Marinelli.) Kommen Sie mir und verleiten Sie
mich noch einmal zu so einem Frevel!
Marinelli:
(vor sich) Das geht weit! - Aber gnädige Gräfin-
Orsina:
Still mit dem Aber! Die Aber kosten Überlegung - und mein Kopf! mein
Kopf! (Sich mit der Hand die Stirne haltend.) - Machen Sie, Marinelli,
machen Sie, daß ich ihn bald spreche, den Prinzen; sonst bin ich es wo hl gar
nicht imstande. - Sie sehen, wir sollen uns sprechen, wir müssen uns
sprechen -
Vierter Auftritt
Der Prinz. Orsina. Marinelli.
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