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Orsina:
Das beiher! - Nur weiter. - Der Bräutigam ist tot, und die Braut - Ihre
Tochter - schlimmer als tot.
Odoardo:
Schlimmer? schlimmer als tot? - Aber doch zugleich auch tot? - Denn ich
kenne nur ein Schlimmeres -
Orsina:
Nicht zugleich auch tot. Nein, guter Vater, nein! - Sie lebt, sie lebt. Sie wird
nun erst recht anfangen zu leben. - Ein Leben voll Wonne! Das schönste,
lustigste Schlaraffenleben - solang es dauert.
Odoardo:
Das Wort, Madame, das einzige Wort, das mich um den Verstand bringen
soll! heraus damit! - Schütten Sie nicht Ihren Tropfen Gift in einen Eimer. -
Das einzige Wort! geschwind.
Orsina:
Nun da, buchstabieren Sie es zusammen! - Des Morgens sprach der Prinz
Ihre Tochter in der Messe, des Nachmittags hat er sie auf seinem Lust- -
Lustschlosse.
Odoardo:
Sprach sie in der Messe? Der Prinz meine Tochter?
Orsina:
Mit einer Vertraulichkeit! mit einer Inbrunst! - Sie hatten nichts Kleines
abzureden. Und recht gut, wenn es abgeredet worden, recht gut, wenn Ihre
Tochter freiwillig sich hierher gerettet! Sehen Sie: so ist es doch keine
gewaltsame Entführung, sondern bloß ein kleiner - kleiner Meuchelmord.
Odoardo:
Verleumdung! verdammte Verleumdung! Ich kenne meine Tochter. Ist es
Meuchelmord, so ist es auch Entführung. - (Blickt wild um sich und stampft
und schäumet.) Nun, Claudia? Nun, Mütterchen? - Haben wir nicht Freude
erlebt! O des gnädigen Prinzen! O der ganz besondern Ehre!
Orsina:
Wirkt es, Alter! wirkt es?
Odoardo:
Da steh ich nun vor der Höhle des Räubers - (indem er den Rock von beiden
Seiten auseinanderschlägt und sich ohne Gewehr sieht.) Wunder, daß ich
aus Eilfertigkeit nicht auch die Hände zurückgelassen! - (An alle
Schubsäcke fühlend, als etwas suchend.) Nichts! gar nichts! nirge nds!
Orsina:
Ha, ich verstehe! - Damit kann ich aushelfen! - Ich hab einen mitgebracht.
(Einen Dolch hervorziehend.) Da nehmen Sie! Nehmen Sie geschwind, eh'
uns jemand sieht! - Auch hätte ich noch etwas - Gift. Aber Gift ist nur für
uns Weiber, nicht für Männer. - Nehmen Sie ihn! (Ihm den Dolch
aufdrängend.) Nehmen Sie!
Odoardo:
Ich danke, ich danke. - Liebes Kind, wer wieder sagt, daß du eine Närrin
bist, der hat es mit mir zu tun.
Orsina:
Stecken Sie beiseite! geschwind beiseite! - Mir - wird die Gelegenheit
versagt, Gebrauch davon zu machen. Ihnen wird sie nicht fehlen, diese
Gelegenheit, und Sie werden sie ergreifen, die erste, die beste - wenn Sie ein
Mann sind. - Ich, ich bin nur ein Weib, aber so kam ich her! fest
entschlossen! - Wir, Alter, wir können uns alles vertrauen. Denn wir sind
beide beleidiget, von dem nämlichen Verführer beleidiget. - Ah, wenn Sie
wüßten - wenn sie wüßten, wie überschwenglich, wie unauss prechlich, wie
unbegreiflich ich von ihm beleidiget worden und noch werde - Sie könnten,
Sie würden Ihre eigene Beleidigung darüber vergessen. - Kennen Sie mich?
Ich bin Orsina, die betrogene, verlassene Orsina. - Zwar vielleicht nur um
Ihre Tochter verlassen. - Doch was kann Ihre Tochter dafür? - Bald wird
auch sie verlassen sein. - Und dann wieder eine! - Und wieder eine! - Ha!
(wie in der Entzückung) welch eine himmlische Phantasie! Wann wir
einmal alle - wir, das ganze Heer der Verlassenen - wir alle in
Bacchantinnen, in Furien verwandelt, wenn wir alle ihn unter uns hätten, ihn
unter uns zerrissen, zerfleischten, sein Eingeweide durchwühlten - um das
Herz zu finden, das der Verräter einer jeden versprach und keiner gab! Ha!
das sollte ein Tanz werden! das sollte!
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