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Conti:
Und mit einer Miene sagte sie das - von der freilich dieses ihr Bild keine
Spur, keinen Verdacht zeiget.
Der Prinz:
Das meint' ich ja; das ist es eben, worin ich die unendliche Schmeichelei
finde. - Oh! ich kenne sie, jene stolze, höhnische Miene, die auch das
Gesicht einer Grazie entstellen würde! - Ich leugne nicht, daß ein schöner
Mund, der sich ein wenig spöttisch verziehet, nicht selten um so viel
schöner ist. Aber, wohl gemerkt, ein wenig: die Verziehung muß nicht bis
zur Grimasse gehen, wie bei dieser Gräfin. Und Augen müssen über den
wollüstigen Spötter die Aufsicht führen - Augen, wie sie die gute Gräfin
nun gerade gar nicht hat. Auch nicht einmal hier im Bilde hat.
Conti:
Gnädiger Herr, ich bin äußerst betroffen -
Der Prinz:
Und worüber? Alles, was die Kunst aus den großen, hervorragenden,
stieren, starren Medusenaugen der Gräfin Gutes machen kann, das haben
Sie, Conti, redlich daraus gemacht. - Redlich, sag ich? - Nicht so redlich,
wäre redlicher. Denn sagen Sie selbst, Conti, läßt sich aus diesem Bilde
wohl der Charakter der Person schließen? Und das sollte doch. Stolz haben
Sie in Würde, Hohn in Lächeln, Ansatz zu trübsinniger Schwärmerei in
sanfte Schwermut verwandelt.
Conti:
(etwas ärgerlich) Ah, mein Prinz - wir Maler rechnen darauf, daß das fertige
Bild den Liebhaber noch ebenso warm findet, als warm er es bestellte. Wir
malen mit Augen der Liebe: und Augen der Liebe müßten uns auch nur
beurteilen.
Der Prinz:
Je nun, Conti - warum kamen Sie nicht einen Monat früher damit? - Setzen
Sie weg. - Was ist das andere Stück?
Conti:
(indem er es holt und noch verkehrt in der Hand hält) Auch ein weibliches
Porträt.
Der Prinz:
So möcht' ich es bald - lieber gar nicht sehen. Denn dem Ideal hier (mit dem
Finger auf die Stirne) - oder vielmehr hier (mit dem Finger auf das Herz)
kömmt es doch nicht bei. - Ich wünschte, Conti, Ihre Kunst in andern
Vorwürfen zu bewundern.
Conti:
Eine bewundernswürdigere Kunst gibt es, aber sicherlich keinen
bewundernswürdigern Gegenstand als diesen.
Der Prinz:
So wett ich, Conti, daß es des Künstlers eigene Gebieterin ist. - (Indem der
Maler das Bild umwendet.) Was seh ich? Ihr Werk, Conti? oder das Werk
meiner Phantasie? - Emilia Galotti!
Conti:
Wie, mein Prinz? Sie kennen diesen Engel?
Der Prinz:
(indem er sich zu fassen sucht, aber ohne ein Auge von dem Bilde zu
verwenden) So halb! - um sie eben wiederzukennen. - Es ist einige Wochen
her, als ich sie mit ihrer Mutter in einer Vegghia traf. - Nachher ist sie mir
nur an heiligen Stätten wieder vorgekommen - wo das Angaffen sich
weniger ziemet. - Auch kenn ich ihren Vater. Er ist mein Freund nicht. Er
war es, der sich meinen Ansprüchen auf Sabionetta am meisten widersetzte.
- Ein alter Degen, stolz und rauh, sonst bieder und gut! -
Conti:
Der Vater! Aber hier haben wir seine Tochter.
Der Prinz:
Bei Gott! wie aus dem Spiegel gestohlen! (Noch immer die Augen auf das
Bild geheftet.) Oh, Sie wissen es ja wohl, Conti, daß man den Künstler dann
erst recht lobt, wenn man über sein Werk sein Lob vergißt.
Conti:
Gleichwohl hat mich dieses noch sehr unzufrieden mit mir gelassen. - Und
doch bin ich wiederum sehr zufrieden mit meiner Unzufriedenheit mit mir
selbst. - Ha! daß wir nicht unmittelbar mit den Augen malen! Auf dem
langen Wege, aus dem Auge durch den Arm in den Pinsel, wieviel geht da
verloren! - Aber, wie ich sage, daß ich es weiß, was hier verlorengegangen
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