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Emilia Galotti

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Conti: Und mit einer Miene sagte sie das  - von der freilich dieses ihr Bild keine Spur, keinen Verdacht zeiget. Der Prinz: Das  meint'  ich  ja;  das  ist  es  eben,  worin  ich  die  unendliche  Schmeichelei finde.  -  Oh!  ich  kenne  sie,  jene  stolze,  höhnische  Miene,  die  auch  das Gesicht einer Grazie entstellen würde! - Ich leugne nicht, daß ein schöner Mund,  der  sich  ein  wenig  spöttisch  verziehet,  nicht  selten  um  so  viel schöner ist. Aber, wohl gemerkt, ein wenig: die Verziehung muß nicht bis zur  Grimasse  gehen,  wie  bei  dieser  Gräfin.  Und  Augen  müssen  über  den wollüstigen  Spötter  die  Aufsicht  führen  -  Augen,  wie  sie  die  gute  Gräfin nun gerade gar nicht hat. Auch nicht einmal hier im Bilde hat. Conti: Gnädiger Herr, ich bin äußerst betroffen - Der Prinz: Und   worüber?   Alles,   was   die   Kunst   aus   den   großen,   hervorragenden, stieren,  starren  Medusenaugen  der  Gräfin  Gutes  machen  kann,  das  haben Sie, Conti, redlich daraus gemacht.  - Redlich, sag ich? - Nicht so redlich, wäre  redlicher.  Denn  sagen  Sie  selbst,  Conti,  läßt  sich  aus  diesem  Bilde wohl der Charakter der Person schließen? Und das sollte doch. Stolz haben Sie  in  Würde,  Hohn  in  Lächeln,  Ansatz  zu  trübsinniger  Schwärmerei  in sanfte Schwermut verwandelt. Conti: (etwas ärgerlich) Ah, mein Prinz - wir Maler rechnen darauf, daß das fertige Bild den Liebhaber noch ebenso warm findet, als warm er es bestellte. Wir malen  mit  Augen  der  Liebe:  und  Augen  der  Liebe  müßten  uns  auch  nur beurteilen. Der Prinz: Je nun, Conti - warum kamen Sie nicht einen Monat früher damit? - Setzen Sie weg. - Was ist das andere Stück? Conti: (indem er es holt und noch verkehrt in der Hand hält) Auch ein weibliches Porträt. Der Prinz: So möcht' ich es bald - lieber gar nicht sehen. Denn dem Ideal hier (mit dem Finger auf die Stirne) - oder vielmehr hier (mit dem Finger auf das Herz) kömmt  es  doch  nicht  bei.  -  Ich  wünschte,  Conti,  Ihre  Kunst  in  andern Vorwürfen zu bewundern. Conti: Eine    bewundernswürdigere    Kunst    gibt    es,    aber    sicherlich    keinen bewundernswürdigern Gegenstand als diesen. Der Prinz: So wett ich, Conti, daß es des Künstlers eigene Gebieterin ist. - (Indem der Maler das Bild umwendet.) Was seh ich? Ihr Werk, Conti? oder das Werk meiner Phantasie? - Emilia Galotti! Conti: Wie, mein Prinz? Sie kennen diesen Engel? Der Prinz: (indem  er  sich  zu  fassen  sucht,  aber  ohne  ein  Auge  von  dem  Bilde  zu verwenden) So halb! - um sie eben wiederzukennen. - Es ist einige Wochen her, als ich sie mit ihrer Mutter in einer Vegghia traf. - Nachher ist sie mir nur   an   heiligen   Stätten   wieder   vorgekommen   -   wo   das   Angaffen   sich weniger ziemet. - Auch kenn ich ihren Vater. Er ist mein Freund nicht. Er war es, der sich meinen Ansprüchen auf Sabionetta am meisten widersetzte. - Ein alter Degen, stolz und rauh, sonst bieder und gut! - Conti: Der Vater! Aber hier haben wir seine Tochter. Der Prinz: Bei Gott! wie aus dem Spiegel gestohlen! (Noch immer die Augen auf das Bild geheftet.) Oh, Sie wissen es ja wohl, Conti, daß man den Künstler dann erst recht lobt, wenn man über sein Werk sein Lob vergißt. Conti: Gleichwohl hat mich dieses noch sehr unzufrieden mit mir gelassen. - Und doch bin ich wiederum sehr zufrieden mit meiner Unzufriedenheit mit mir selbst.  -  Ha!  daß  wir  nicht  unmittelbar  mit  den  Augen  malen!  Auf  dem langen Wege, aus dem Auge durch den Arm in den Pinsel, wieviel geht da verloren! - Aber, wie ich sage, daß ich es weiß, was hier verlorengegangen 4
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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