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FÜNFTER AUFZUG
Die Szene bleibt.
Erster Auftritt
Marinelli. Der Prinz.
Marinelli:
Hier, gnädiger Herr, aus diesem Fenster können Sie ihn sehen. Er geht die
Arkade auf und nieder. - Eben biegt er ein, er kömmt. - Nein, er kehrt
wieder um. - Ganz einig ist er mit sich noch nicht. Aber um ein Großes
ruhiger ist er - oder scheinet er. Für uns gleichviel! - Natürlich ! Was ihm
auch beide Weiber in den Kopf gesetzt haben, wird er es wagen zu äußern? -
Wie Battista gehört, soll ihm seine Frau den Wagen sogleich heraussenden.
Denn er kam zu Pferde. - Geben Sie acht, wenn er nun vor Ihnen erscheinet,
wird er ganz untertänigst Eurer Durchlaucht für den gnädigen Schutz
danken, den seine Familie bei diesem so traurigen Zufalle hier gefunden;
wird sich, mitsamt seiner Tochter, zu fernerer Gnade empfehlen; wird sie
ruhig nach der Stadt bringen und es in tiefster Unterwerfung erwarten,
welchen weitern Anteil Euer Durchlaucht an seinem unglücklichen, lieben
Mädchen zu nehmen geruhen wollen.
Der Prinz:
Wenn er nun aber so zahm nicht ist? Und schwerlich, schwerlich wird er es
sein. Ich kenne ihn zu gut. - Wenn er höchstens seinen Argwohn erstickt,
seine Wut verbeißt: aber Emilien, anstatt sie nach der Stadt zu führen, mit
sich nimmt? bei sich behält? oder wohl gar in ein Kloster, außer meinem
Gebiete, verschließt? Wie dann?
Marinelli:
Die fürchtende Liebe sieht weit. Wahrlich! - Aber er wird ja nicht -
Der Prinz:
Wenn er nun aber! Wie dann? Was wird es uns dann helfen, daß der
unglückliche Graf sein Leben darüber verloren?
Marinelli:
Wozu dieser traurige Seitenblick? Vorwärts! denkt der Sieger, es falle
neben ihm Feind oder Freund. - Und wenn auch! Wenn er es auch wollte,
der alte Neidhart, was Sie von ihm fürchten, Prinz. - (Überlegend.) Das
geht! Ich hab es! - Weiter als zum Wollen soll er es gewiß nicht bringen.
Gewiß nicht! - Aber daß wir ihn nicht aus dem Gesichte verlieren. - (Tritt
wieder ans Fenster.) Bald hätt' er uns überrascht! Er kömmt. - Lassen Sie
uns ihm noch ausweichen, und hören Sie erst, Prinz, was wir auf den zu
befürchtenden Fall tun müssen.
Der Prinz:
(drohend) Nur, Marinelli! -
Marinelli:
Das Unschuldigste von der Welt!
Zweiter Auftritt
Odoardo Galotti:
Noch niemand hier? - Gut, ich soll noch kälter werden. Es ist mein Glück. -
Nichts verächtlicher als ein brausender Jünglingskopf mit grauen Haaren!
Ich hab es mir so oft gesagt. Und doch ließ ich mich fortreißen: und von
wem? Von einer Eifersüchtigen, von einer für Eifersucht Wahnwitzigen. -
Was hat die gekränkte Tugend mit der Rache des Lasters zu schaffen? Jene
allein hab ich zu retten. - Und deine Sache - mein Sohn! mein Sohn! -
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