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Emilia Galotti

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Weinen konnt' ich nie - und will es nun nicht erst lernen - Deine Sache wird ein ganz anderer zu seiner machen! Genug für mich, wenn dein Mörder die Frucht  seines  Verbrechens  nicht  genießt.  -  Dies  martere  ihn  mehr  als  das Verbrechen! Wenn nun bald ihn Sättigung und Ekel von Lüsten zu Lüsten treiben, so vergälle die Erinnerung, diese eine Lust nicht gebüßet zu haben, ihm den Genuß aller! In jedem Traume führe der blutige Bräutigam ihm die Braut  vor  das  Bette,  und  wann  er  dennoch  den  wollüstigen  Arm  nach  ihr ausstreckt, so höre er plötzlich das Hohngelächter der Hölle  und erwache! Dritter Auftritt Marinelli. Odoardo Galotti. Marinelli: Wo blieben Sie, mein Herr? wo blieben Sie? Odoardo: War meine Tochter hier? Marinelli: Nicht sie, aber der Prinz. Odoardo: Er verzeihe. - Ich habe die Gräfin begleitet. Marinelli: Nun? Odoardo: Die gute Dame! Marinelli: Und Ihre Gemahlin? Odoardo: Ist mit der Gräfin - um uns den Wagen sogleich herauszusenden. Der Prinz vergönne nur, daß ich mich so lange mit meiner Tochter noch hier verweile. Marinelli: Wozu diese Umstände? Würde sich der Prinz nicht ein Vergnügen daraus gemacht  haben,  sie  beide,  Mutter  und  Tochter,  selbst  nach  der  Stadt  zu bringen? Odoardo: Die Tochter wenigstens würde diese Ehre haben verbitten müssen. Marinelli: Wieso? Odoardo: Sie soll nicht mehr nach Guastalla. Marinelli: Nicht? und warum nicht? Odoardo: Der Graf ist tot. Marinelli: Um so viel mehr - Odoardo: Sie soll mit mir. Marinelli: Mit Ihnen? Odoardo: Mit mir. Ich sage Ihnen ja, der Graf ist tot. - Wenn Sie es noch nicht wissen - Was hat sie nun weiter in Guastalla zu tun? - Sie soll mit mir. Marinelli: Allerdings wird der künftige Aufenthalt der Tochter einzig von dem Willen des Vaters abhangen. Nur vors erste - Odoardo: Was vors erste? Marinelli: Werden  Sie  wohl  erlauben  müssen,  Herr  Oberster,  daß  sie  nach  Guastalla gebracht wird. Odoardo: Meine Tochter? nach Guastalla gebracht wird? und warum? Marinelli: Warum? Erwägen Sie doch nur - Odoardo: (hitzig) Erwägen! erwägen! Ich erwäge, daß hier nichts zu erwägen ist. - Sie soll, sie muß mit mir. Marinelli: O mein Herr - was brauchen wir uns hierüber zu ereifern? Es kann sein, daß ich mich irre, daß es nicht nötig ist, was ich für nötig halte. - Der Prinz wird es am besten zu beurteilen wissen. Der Prinz entscheide. - Ich geh und hole ihn. 42
  
EinFach Deutsch - Textausgaben: Emilia Galotti. Mit Materialien
von Gotthold Ephraim Lessing,
Martin Heider
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