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lassen Sie mich nur. - Ich will doch sehn, wer mich hält - wer mich zwingt -
wer der Mensch ist, der einen Menschen zwingen kann.
Odoardo:
Ich meine, du bist ruhig, mein Kind.
Emilia:
Das bin ich. Aber was nennen Sie ruhig sein? Die Hände in den Schoß
legen? Leiden, was man nicht sollte? Dulden, was man nicht dürfte?
Odoardo:
Ha! wenn du so denkest! - Laß dich umarmen, meine Tochter! - Ich hab es
immer gesagt: das Weib wollte die Natur zu ihrem Meisterstücke machen.
Aber sie vergriff sich im Tone, sie nahm ihn zu fein. Sonst ist alles besser an
euch als an uns. - Ha, wenn das deine Ruhe ist, so habe ich meine in ihr
wiedergefunden! Laß dich umarmen, meine Tochter! - Denke nur: unter
dem Vorwande einer gerichtlichen Untersuchung - o des höllischen
Gaukelspieles! - reißt er dich aus unsern Armen und bringt dich zur
Grimaldi.
Emilia:
Reißt mich? bringt mich? - Will mich reißen, will mich bringen: will! will! -
Als ob wir, wir keinen Willen hätten, mein Vater!
Odoardo:
Ich ward auch so wütend, daß ich schon nach diesem Dolche griff (ihn
herausziehend), um einem von beiden - beiden! - das Herz zu durchstoßen.
Emilia. Um des Himmels willen nicht, mein Vater! - Dieses Leben ist alles,
was die Lasterhaften haben. - Mir, mein Vater, mir geben Sie diesen Dolch.
Odoardo:
Kind, es ist keine Haarnadel.
Emilia:
So werde die Haarnadel zum Dolche! - Gleichviel.
Odoardo:
Was? Dahin wäre es gekommen? Nicht doch; nicht doch! Besinne dich. -
Auch du hast nur ein Leben zu verlieren.
Emilia:
Und nur eine Unschuld!
Odoardo:
Die über alle Gewalt erhaben ist. -
Emilia:
Aber nicht über alle Verführung. - Gewalt! Gewalt! wer kann der Gewalt
nicht trotzen? Was Gewalt heißt, ist nichts: Verführung ist die wahre
Gewalt. - Ich habe Blut, mein Vater, so jugendliches, so warmes Blut als
eine. Auch meine Sinne sind Sinne. Ich stehe für nichts. Ich bin für nichts
gut. Ich kenne das Haus der Grimaldi. Es ist das Haus der Freude. Eine
Stunde da, unter den Augen meiner Mutter - und es erhob sich so mancher
Tumult in meiner Seele, den die strengsten Übungen der Religion kaum in
Wochen besänftigen konnten! - Der Religion! Und welcher Religion? -
Nichts Schlimmers zu vermeiden, sprangen Tausende in die Fluten und sind
Heilige! - Geben Sie mir, mein Vater, geben Sie mir diesen Dolch.
Odoardo:
Und wenn du ihn kenntest, diesen Dolch! -
Emilia:
Wenn ich ihn auch nicht kenne! - Ein unbekannter Freund ist auch ein
Freund. - Geben Sie mir ihn, mein Vater, geben Sie mir ihn.
Odoardo:
Wenn ich dir ihn nun gebe - da! (Gibt ihr ihn.)
Emilia:
Und da! (Im Begriffe, sich damit zu durchstoßen, reißt der Vater ihr ihn
wieder aus der Hand.)
Odoardo:
Sieh, wie rasch! - Nein, das ist nicht für deine Hand.
Emilia:
Es ist wahr, mit einer Haarnadel soll ich - (Sie fährt mit der Hand nach dem
Haare, eine zu suchen, und bekommt die Rose zu fassen.) Du noch hier? -
Herunter mit dir! Du gebötest nicht in das Haar einer - wie mein Vater will,
daß ich werden soll!
Odoardo:
Oh, meine Tochter! -
Emilia:
Oh, mein Vater, wenn ich Sie erriete! - Doch nein, das wollen Sie auch
nicht. Warum zauderten Sie sonst? - (In einem bittern Tone, während daß
sie die Rose zerpflückt.) Ehedem wohl gab es einen Vater, der seine Tochter
von der Schande zu retten, ihr den ersten, den besten Stahl in das Herz
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