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Marinelli:
Retten? ist da viel zu retten? - Was Sie versäumt haben, gnädiger Herr, der
Emilia Galotti zu bekennen, das bekennen Sie nun der Gräfin Appiani.
Waren, die man aus der ersten Hand nicht haben kann, kauft man aus der
zweiten: - und solche Waren nicht selten aus der zweiten um so viel
wohlfeiler.
Der Prinz:
Ernsthaft, Marinelli, ernsthaft, oder -
Marinelli:
Freilich, auch um so viel schlechter - -
Der Prinz:
Sie werden unverschämt!
Marinelli:
Und dazu will der Graf damit aus dem Lande. - Ja, so müßte man auf etwas
anders denken. -
Der Prinz:
Und auf was? - Liebster, bester Marinelli, denken Sie für mich. Was würden
Sie tun, wenn Sie an meiner Stelle wären?
Marinelli:
Vor allen Dingen eine Kleinigkeit als eine Kleinigkeit ansehen - und mir
sagen, daß ich nicht vergebens sein wolle, was ich bin - Herr!
Der Prinz:
Schmeicheln Sie mir nicht mit einer Gewalt, von der ich hier keinen
Gebrauch absehe. - Heute, sagen Sie? schon heute?
Marinelli:
Erst heute - soll es geschehen. Und nur geschehenen Dingen ist nicht zu
raten. - (Nach einer kurzen Überlegung.) Wollen Sie mir freie Hand lassen,
Prinz? Wollen Sie alles genehmigen, was ich tue?
Der Prinz:
Alles, Marinelli, alles, was diesen Streich abwenden kann.
Marinelli:
So lassen Sie uns keine Zeit verlieren. - Aber bleiben Sie nicht in der Stadt.
Fahren Sie sogleich nach Ihrem Lustschlosse, nach Dosalo. Der Weg nach
Sabionetta geht da vorbei. Wenn es mir nicht gelingt, den Grafen
augenblicklich zu entfernen: so denk ich - Doch, doch; ich glaube, er geht in
diese Falle gewiß. Sie wollen, Prinz, wegen Ihrer Vermählung einen
Gesandten nach Massa schicken? Lassen Sie den Grafen dieser Gesandte
sein; mit dem Bedinge, daß er noch heute abreiset. - Verstehen Sie?
Der Prinz:
Vortrefflich! - Bringen Sie ihn zu mir heraus. Gehen Sie, eilen Sie. Ich
werfe mich sogleich in den Wagen. (Marinelli geht ab.)
Siebenter Auftritt
Der Prinz:
Sogleich! sogleich! - Wo blieb es? - (Sich nach dem Porträte umsehend.)
Auf der Erde? das war zu arg! (Indem er es aufhebt.) Doch betrachten?
betrachten mag ich dich fürs erste nicht mehr. - Warum sollt' ich mir den
Pfeil noch tiefer in die Wunde drücken? (Setzt es beiseite) - Geschmachtet,
geseufzet hab ich lange genug - länger als ich gesollt hätte: aber nichts
getan! und über die zärtliche Untätigkeit bei einem Haar alles verloren! -
Und wenn nun doch alles verloren wäre? Wenn Marinelli nichts ausrichtete?
- Warum will ich mich auch auf ihn allein verlassen? Es fällt mir ein - um
diese Stunde (nach der Uhr sehend), um diese nämliche Stunde pflegt das
fromme Mädchen alle Morgen bei den Dominikanern die Messe zu hören. -
Wie, wenn ich sie da zu sprechen suchte? - Doch heute, heut an ihrem
Hochzeittage - heute werden ihr andere Dinge am Herzen liegen als die
Messe. - Indes, wer weiß? - Es ist ein Gang. - (Er klingelt, und indem er
einige von den Papieren auf dem Tische hastig zusammenrafft, tritt der
Kammerdiener herein.) Laßt vorfahren! - Ist noch keiner von den Räten da?
Der Kammerdiener:
Camillo Rota.
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